Die Faszination der 12 Sibyllen
Musik von Orlando di Lasso und Franz Rechsteiner

Basler Madrigalisten | Arte-Quartett, Saxophone: Beat Hofstetter, Sascha Armbruster, Andrea Formenti, Beat Kappeler | Raphael Immoos, künstlerische Leitung

Orlando di Lasso hat in einer ausserordentlich kühnen, chromatischen Tonsprache zwölf faszinierende Gesänge über die prophetischen, heidnischen Frauengestalten Sibyllen geschrieben. Das Werk wird gerne mit der experimentellen Musik Carlo Gesualdos (1566-1613) verglichen. Der Sibyllen-Fassung von Orlando di Lasso werden neue Texte und Musik ge¬genüber gestellt. Es sind Reflexionen und Kontrapunkte in einer zeitgenössischen Sprache, welche Lassos Musik unterbrechen, weiterführen oder kontrapunktieren. Die Brüder Franz Rechsteiner (Komponist) und Justin Rechsteiner (Schriftsteller) haben sich mit dieser Neukonzeption auseinandergesetzt. Der Textdichter von Lassos Sibyllen ist unbekannt, und es ist keine Komposition mit demselben Text bisher entdeckt worden. Die Gegenüberstellung der Musik Lassos und Rechsteiners ist fliessend, weswegen es keine in sich abgeschlossenen Musiknummern mehr gibt. Dem 12-stimmigen Vokalensemble tritt ein Saxophonquartett gegenüber, dessen areophone Klangerzeugung dem Zuhörer Zeit lässt, sich auf die verschiedenen Klang- und Stilebenen der Kompositionen einzulassen.

Orlando di Lasso (um 1532–1594) Prophetiae Sibyllarum (komponiert ca. 1560–1563)
im Wechsel mit
Franz Rechsteiner (*1941) SIBYLLEN (Uraufführung) Kontrapunkte zu Orlando di Lasso Prophetiae Sibyllarum in Wort und Musik; Texte: Justin Rechsteiner (*1936)

So 17. Apr 16 20.00 Katholische Kirche Muttenz

Infos und Tickets: rkk-muttenz.ch, Tickets an der Abendkasse

"The Facination of the 12 Sibyls" - Orlando di Lasso wrote twelve fascinating chants about the prophetic, pagan female Sibyl characters using an extraordinarily bold, chromatic idiom. The work is often compared with the experimental music of Carlo Gesualdo (1566-1613). In Orlando di Lasso’s version of the Sibyls, new lyrics and music are set opposite to each other. There are reflections and counterpoints in a contemporary language which Lasso’s music, interrupts, continues or counterpoints. The brothers Franz Rechsteiner (composer) and Justin Rechsteiner (writer) looked into this new concept. The librettist of Lasso’s Sibyls is unknown, and no composition with the same text has yet been discovered. The juxtaposition of Lasso‘s and Rechsteiner’s music is fluent, which is why there are no self-contained musical numbers. The 12-voice vocal ensemble confronts the Saxophonquartett whose areophone sound generation allows the listener time to engage in the diverse sound and stylistic levels of the compositions.